Falsch verstandene Liebe?

Toleranz hat nichts mit Wankelmütigkeit zu tun. Menschen die „alle Fünfe“ gerade sein lassen mögen zwar Tolerant wirken, aber in Wahrheit ist ihnen eine Sache gar nicht wichtig genug um sich überhaupt mit einer anderen Meinung auseinanderzusetzen.


Toleranz hat auch nichts damit zu tun sich möglichst gar kein Urteil zu bilden. Oder aus Angst jemand oder eine Sache zu verurteilen gar keinen Standpunkt mehr einzunehmen bzw. nur einen sehr wackeligen. Wir bilden uns in Wahrheit immer ein Urteil. Ob es sich bei unserem Urteil um ein Urteil oder um ein Verurteilen handelt, das zeigt allein die Liebe! Wir können das oft gar nicht be-urteilen. Sollen wir aber deswegen aufhören unsere gesunde Vernunft zu gebrauchen?

Bei manchen Menschen hat man tatsächlich den Eindruck, dass sie sich aus lauter Vorsicht, ja nichts zu verurteilen, gar kein Urteil mehr zugestehen. Diese Anschauung ist in der Esoterik sehr verbreitet. Aber Liebe hat nichts mit „Lieb sein“ zu tun. Liebe ist, einen Standpunkt einzunehmen und ihn nicht bei nächster Gelegenheit wieder zu verleugnen. Wer das tut, zeigt nur, dass ihm die Wahrheit seines Herzens nicht wichtig genug ist oder er über seine Grenzen gehen lässt und verlernt hat, die heiligen Dinge seinen Lebens zu schützen!

Das hat nichts mit Liebe zu tun und ist auch keine Toleranz. Es ist die falsch verstandene Toleranz.

Toleranz ist aber auch nicht, die Meinung eines Anderen einfach nur stehen zu lassen und zu respektieren. Echte Toleranz ist noch viel mehr!
Echte Toleranz ist: Sich in die Meinung des Anderen wirklich hineinversetzen und sie verstehen zu können!
Dies ist aber ein echter Akt der Liebe und der Weisheit, die dies ermöglicht. Eine Liebe die nicht aus der Selbsterlösung heraus möglich ist. Es ist ein Geschenk Gottes. Ein Geschenk aus der Liebe und Gnade Gottes, eine Sache oder einen Standpunkt einnehmen zu können ohne ganz ähnliche Erfahrungen auch gemacht haben zu müssen.
Wer sich hingegen aufgrund einer gegensätzlichen Meinung eines Anderen angegriffen fühlt, zeigt, dass er in dieser Liebe nicht ist oder sich seiner eigenen Überzeugung unsicher ist.

Gefestigt wird ein eigener Standpunkt aber nicht durch Sturheit, sondern durch Erkenntnis und Empathie die den Standpunkt des Anderen nachempfinden kann.
Ganz besonders gilt dies bei spirituellen Fragen und Überzeugungen. Wenn jemand so von sich selber und seiner Überzeugung eingenommen ist, dass er alle anderen herabwürdigen muss, die es nicht zu seiner „Erkenntnistiefe“ gebracht haben, so zeigt dieser nur seine eigene Verblendung und narzistische Selbstgefälligkeit.

Wer glaubt Gott verteidigen zu müssen, hat einen schwachen Gott.
Wer meint seine Wahrheit verteidigen zu müssen, hat eine schwache Wahrheit.

Meist eine Wahrheit die nur im Kopf stattfindet, aber kaum im Leben erprobt ist.
Liebe bevormundet nicht und Wahrheit oder Erkenntnis kann niemanden von Außen aufgezwungen werden. Selbst wenn dieser sie dann annehmen würde, würde irgendwann der Zeitpunkt kommen, wo er sie wieder verwerfen würde. Warum? Weil sie nicht aus dem eigenen Herzen gekommen ist und damit nicht wirklich verankert ist.

Ebenso ist es mit allen Überzeugungen die aus Druck, aus einer Not oder Angst heraus oder einer gefühlten Bestrafung heraus, angenommen werden. Sie sind nicht aus einer eigenen, freien und von Liebe erfüllten Herzensüberzeugung gekommen. Daher sind sie nicht wirklich verankert. Ist die Not vorüber oder das schlechte Gewissen wieder weg, sind auch diese Überzeugungen wieder in Frage gestellt oder weg.

Alle jene die hoffen oder erwarten, dass Gott irgendwann wie ein Donnerblitz am Himmel erscheinen wird und alle Menschen auf die Knie niederfallen und ihn endlich anerkennen werden, irren sich – die Schrift nicht kennend – sehr. Das ist die am allerwenigsten der Weisheit würdige Methode, die Gott nötig hätte, jemals anzuwenden.

Echte Toleranz und damit auch echte Liebe und Erkenntnis, widerspricht einer anderen Meinung über Gott und Wahrheit noch nicht einmal!
Nicht um den Anderen in Unkenntnis zu lassen, sondern um ihm den Raum zur eventuellen Umsinnung und tieferen Erkenntnis überhaupt erst zu geben!

Wen jemand in einem Bereich wirklich in einer tieferen Erkenntnis steht als ein Anderer, dann zeigt sich dies darin, dass er mit seinem Nächsten genau so um wie ein Starker mit einem Schwächeren umgeht. Er überfordert ihn nicht noch zusätzlich, sondern erleichtert ihm die Bürde. Er erleichtert sie ihm indem er dessen Standpunkt einnimmt und ihn versteht und seine Situation erkennt. In so einem Moment gibt es nichts zu belehren oder den Anderen mit der eigenen, gewonnen Erkenntnis zu konfrontieren. Sie mag so wahr sein, wie sie sein mag. Gott schweigt in seinem heiligen Tempel und wenn du in seiner Liebe stehst, dann schweigst du auch und… betest!

Das ist das Einzige was du aus voller Überzeugung tun sollst und tatsächlich tun kannst.
Das betrifft aber freilich den persönlichen Kontakt! Liebe ist persönlich. Ich meine damit also nicht das vertreten und einnehmen eines Standpunktes. Der darf klar, deutlich und unmissverständlich sein und sollte es auch. Toleranz hat auch nichts mit „Wischi-Waschi“ zu tun oder damit anderen mit lieblichen Worten Sand in die Augen zu streuen, sondern mit Wahrheit und Wahrhaftigkeit.
Und eines dürfen wir uns sicher sein. Auch wenn wir eine Überzeugung noch so sehr für uns als Wichtig und Wahr erkannt haben. Es muss noch lange nicht für einen Anderen gelten. Alles unter dem Himmel hat seine Zeit und es gibt oft viele Zwischen-Schritte zu einer Wahrheit hin und viele „Wahrheiten“ die da zuvor erst mal angenommen werden.
Der immer nächste Schritt ist besser als der Übernächste!

Kennst du den nächsten Schritt bei deinem Mitmenschen?
Hier „Ja“ zu sagen wäre sehr anmaßend. Nur Gott kennt ihn und dieser ganz individuelle Mensch, wenn es für ihn an der Zeit ist. Für denjenigen der persönlich und in Liebe begleiten darf, bleibt nur eins: Demut und Liebe, Staunen und Bewunderung sowie echte Achtung und Wertschätzung, die Raum schafft, für eine gemeinsame Wahrheitssuche.
Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben! Hmm… was wenn diese Worte tatsächlich wahr sind? Das aber nur als Anregung…

lebenslebendig

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Veröffentlicht von

lebenslebendig

seit mehr als 25 Jahren bin ich auf meinem spirituellen Weg der durch viele esoterische Richtungen wieder zurück zum Christentum geführt hat. All die Jahre hindurch hat mich das Studium sämtlichen Schriften aus dem Urchristentum nie losgelassen. Mir geht es inzwischen absolut wie in dem Gleichnis von dem Schatz im Acker oder dem, der DIE Perle gefunden hat: „Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“ ( Matth. 13,44-45)

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