Paarbeziehung und innere Werte

Müssen wir nur den oder die „Richtige(n)“ kennenlernen und die große Liebe stellt sich ganz von selbst ein?

Ist das wirklich so?

Ich denke, nichts kann uns darüber mehr erzählen, als die Liebe selbst!

Daher will ich eine echte Liebes-Geschichte erzählen, die sich auch wirklich ereignet hat. Nur handelt sie in der Hauptrolle nicht von einem Menschen, sondern von einem Hund:

An einem ganz bestimmten Nachmittag im Mai des Jahres 1925 versteht der kleine Hachiko die Welt nicht mehr. Viele Menschen steigen aus dem Zug am Bahnhof von Shibuya aus, aber nicht der Richtige, nicht seiner, nicht Professor Ueno.

Hachiko bleibt auf dem Bahnsteig sitzen und wartet. Auf den nächsten Zug und auf den übernächsten. Abends wird er abgeholt, aber nicht vom Professor, sondern von dessen Ehefrau, die jetzt eine Witwe ist. Ihr Mann hat während einer Vorlesung an der Kaiserlichen Universität von Tokio eine Hirnblutung erlitten und ist daran gestorben.

Hachiko weiß das nicht und sitzt auch am nächsten Tag wieder pünktlich am Bahnhof. Seit dem Jahr seiner Geburt, 1923, hat er sein Herrchen morgens zum Zug begleitet und abends abgeholt.

Noch im selben Jahr verlässt die Witwe Tokio und gibt den Hund zu Verwandten. Hachiko gibt nicht auf. Er reißt immer wieder aus. Lange suchen muss man ihn nicht. Immer sitzt er am Bahnhof. Und wartet.

Der frühere Gärtner der Familie, der in der Nähe der Gleise wohnt, nimmt ihn bald bei sich auf. Täglich um kurz vor 17 Uhr wird das Tier unruhig. Dann lässt sein neuer Besitzer ihn aus der Wohnung, Hachiko läuft zum Bahnhof und mustert die Ankommenden.

Doch nicht alle sind ihm wohlgesonnen. Hachiko wird bespuckt, von Bahnmitarbeitern geschlagen, sogar mit Farbe besprüht. Das gutmütige Tier lässt alles über sich ergehen, hält sogar während der Misshandlungen weiter Ausschau nach seinem Herrchen.

Mehrere Jahre geht das so. Hachiko ist immer da. Bei Sonnenschein, bei Regen, bei Schnee, bei Sturm. Er wird krank.

Immerhin: 1928 fängt ein neuer Bahnhofsvorsteher an und hat ein Herz für Hachiko. Er füttert ihn, gibt ihm Wasser und richtet sogar eine kleine Ruhemöglichkeit ein.

Im selben Jahr entdeckt ein früherer Student von Professor Ueno das Tier und erkennt es wieder. Sein Forschungsgebiet: Akita-Hunde, wie auch Hachiko einer ist. Nur noch rund 30 reinrassige Exemplare gab es damals. Der junge Wissenschaftler schreibt mehrere Artikel über Hachiko, die in Tokioter Zeitungen erscheinen.

Hachiko wird berühmt. Alle wollen den Hund sehen, der täglich auf sein Herrchen wartet, der ihm bis über den Tod hinaus die Treue hält. Schulkinder streicheln ihn, Tierärzte päppeln ihn auf. 1934 wird an der Westseite des Bahnhofs eine lebensgroße Bronzestatue feierlich enthüllt. Tausende Japaner hatten für diese gespendet. Hachiko wohnt der Einweihungszeremonie bei, wartend und hoffend, wie immer.

Noch ein Jahr bleibt Hachiko am Bahnhof sitzen. Inzwischen fast 10 lange Jahre.
Dann, am 8. März 1935, zieht er sich, krank, kraftlos und einsam in eine Seitenstraße zurück – zum Sterben.

Eine Geschichte, die Menschen aus aller Welt tief bewegt, bis heute … warum?

Hachiko lebte uns etwas vor, was wir scheinbar alle vermissen… alle suchen… alle ersehnen… den Archetypus der Liebe: Die Treue!

Genügt es also wirklich, dem „richtigen“ Menschen zu begegnen und die große Liebe stellt sich von selbst ein? Oder haben wir etwas verloren, in unserer Seele, in unseren Herzen… eine Unschuld, ein Heiligtum, ein Paradies… und wir irren seither herum… es nicht mehr findend?

Wir Menschen machen es gerne kompliziert, wenn es um die Liebe geht. Hachiko ist das nicht. Egal was er als Welpe erlebt hat… dass er misshandelt und traumatisiert wurde… den Menschen nicht mehr vertrauen kann. Er begegnet seinem Herrchen und es ist Liebe. Liebe und Treue in ihrer wundervollen Wechselwirkung!

Was macht diese wundervolle Wechelwirkung aus?
Ist es nicht das, was wir Menschen ein „riesen Herz“ nennen, eine Unschuld, eine Güte und eine bewundernswerte Arglosigkeit sowie einen unbeirrbaren Glauben an das Gute?
Trotz aller Verletzungen unseres Herzens?

Haben wir nicht das in Wahrheit verloren? Und nicht die Fähigkeit zur Liebe an sich?

Kann es sein, dass uns die Antwort zu banal ist – für etwas so großes und geheimnisvolles wie die wahre Liebe?

Dass es der Charakter ist? Dass es die echten, inneren Werte sind?

Diese „alten Werte“, wie wir sie auch bezeichnen. Als wären sie etwas das veraltet ist und man heute nicht mehr braucht. Als wären sie etwas, dass man durch die Überbetonung der Liebe ersetzen kann.

Aber sie sind nicht ersetzbar, weil das Resultat dann Scheinheiligkeit, leere Worte, Luftblasen und Enttäuschung ist. Und wir uns dann immer wieder wundern und immer wieder nicht darauf kommen, dass das der Grund ist. Denn diese geringgeachteten „alten Werte“ sind in Wahrheit alles andere als unwichtig.

Wenn das Ei aus dem Nest fällt und am Boden zerschellt, war es dann das Ei, das zu wenig solide war, oder nicht doch etwa das Nest?

Wenn du das Negative tust obwohl du es als solches erkennst, mangelt es dann an deiner Erkenntnis oder an dem Zustand deines Herzens?

Wir leben in einer Zeit, in welcher Spiritualität und Licht und Liebe in aller Munde ist!

Aber was ist mit echten, inneren Werten?

Kennen wir nicht alle Herz-Schmerz-Geschichten… schöne Geschichten, die das Leben schrieb? Schau sie mal genauer an! Was zeichnet sie aus? Alle! Was haben sie gemeinsam?

Du wirst entdecken, dass es in all diesen unglaublichen Geschichten, die unser Leben lebenswert macht, die es groß, hoffnungsvoll und menschlich macht, immer eines gab: Einen oder mehrere Menschen die einer besonderen Art und Weise INNERE WERTE bewiesen haben!

Vielleicht waren sie nicht immer siegreich, vielleicht noch nicht einmal erfolgreich. Ja, vielleicht waren sie sogar ohnmächtig und verzweifelt und der Überzeugung versagt zu haben. Aber ihre Geschichte wurde zu einem Beispiel für andere. Immer in ihrem Umfeld, aber manchmal auch darüber hinaus.
Daher liebe ich sie so, diese Geschichten, auch wenn sie manchmal tief traurig sind. Aber die Liebe erglänzt in ihnen in der schönsten Form!

Was ist nur los mit uns? Wir verleugnen diese inneren Werte und finden sie uncool in unserem Alltag wo jeder nur noch sich selbst der Nächste ist, aber in Liebesfilmen und großartigen Geschichten verherrlichen wir sie?

Wähnen uns sogar spirituell und werfen sie doch über Bord, weil sie uns unbequem sind in unserer Selbst-Verwirklichung und jeder Form von Selbst-Liebe… Egoismus?

Ich bin der festen Überzeugung. Alle Spiritualität, jeder Glaube, jede Meditationsform, jede Gebetspraxis oder jede Form von Übung und Rituale und was es alles gibt und gegeben hat und noch geben wird, hat oder hatte in seinem Ursprung nur diesen einen Sinn und Zweck: Uns zurückzuführen, hinzuführen zu diesen inneren Werten. Diese wieder in uns zu verankern und zu bewirken.

Das, so bin ich der Überzeugung, ist die Vorsehung Gottes mit diesen vielen Religionen und unzähligen spirituellen Richtungen.

Wenn dein Glaube, deine Weltanschauung, deine Spiritualität keinen besseren Menschen aus dir macht, als der du schon bist, dann ist es der falsche Glaube! Egal was du glaubst.
Und irgendwas glaubst du immer…!

Wirf ihn lieber über Bord und werde erst mal ein Mensch bevor du göttlich werden willst. Wenn dich Erfahrungen ekstatischer, göttlicher Liebe mit der Zeit nur abgehoben und überheblich gemacht haben. Was hast du dann davon?

Wenn dich Weisheiten und Erkenntnisse nur von den eigentlichen Problemen und alltäglichen Herausforderungen abgelenkt und verblendet haben. Was hast du dann davon?
Bevor du göttliche Liebe sein willst, öffne erst mal die Augen für die Not der Menschen um dich herum.

Bevor du weise werden willst, werde erst einmal vernünftig.

Das Wesen der Liebe ist weniger, dass sie nur zur Erkenntnis führt, als dass sie fortwährend stirbt und aufersteht.

Hat etwa ein Baum, der einen stabilen und gesunden Stamm ausbildet, sich um Äste und Zweige und die Vögel des Himmels, die darin niesten, Sorgen zu machen?

Wahre Liebe lebt von den inneren Werten. Nur so gelingt sie! Nur so überwindet sie mit der Zeit alle Hindernisse. Nur so werden wir in unserer Welt wieder wahrhaft Liebende finden. Heroische Menschen mit einem heroischen Charakter. Diese fallen nicht vom Himmel. Leider. Es ist eher eine sehr aussterbende Spezies in einer Welt geworden, in der innere Werte eben nicht mehr zählen. In der nur noch Hop oder Top, das schnelle „Glück“, das rastlose Konsumieren und ein salonfähiger Egoismus, der sich perfekt mit den Worten: „Ich bin doch nicht blöd“ ausdrücken lässt.

Den Archetypus der Liebe… ihn wird es dann bald nur noch in alten Geschichten geben. In einer längst verlorene Welt. Aber Überhoben, glanzvoll und so unrealistisch wie perfekt weiterhin in unseren Liebesfilmen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Es sei denn, wir besinnen uns endlich wieder auf das Wesentliche! Und wir erkennen, dass uns der esoterische Wahn von Licht und Liebe oft sogar vom Wesentlichen ablenkt, ja liebesunfähig macht und wagen es, Charakter und Werte in unserem Leben wieder in den Vordergrund und in den Mittelpunkt zu stellen.

lebenslebendig

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Veröffentlicht von

lebenslebendig

seit mehr als 25 Jahren bin ich auf meinem spirituellen Weg der durch viele esoterische Richtungen wieder zurück zum Christentum geführt hat. All die Jahre hindurch hat mich das Studium sämtlichen Schriften aus dem Urchristentum nie losgelassen. Mir geht es inzwischen absolut wie in dem Gleichnis von dem Schatz im Acker oder dem, der DIE Perle gefunden hat: „Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“ ( Matth. 13,44-45)

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