Was ist Nächstenliebe?

Viele glauben, die perfekte Form von Nächstenliebe wäre eine Art Mutter Theresa zu sein oder eine Art „Heiliger“ die ihr ganzes Hab und Gut den Armen verschenken und in ein von Krisen, Krieg und Armut gebeuteltes Land ziehen um dort Notleidenden zu helfen.

Oder sie meinen Nächstenliebe wäre in beliebiger Art und Weise anderen Menschen, die weniger haben, zu geben und an Hilfsorganisationen zu spenden oder in der eigenen Stadt oder Gemeinde ehrenamtlich an allen möglichen kirchlichen oder sozialen Projekten mitzuarbeiten.

Man könnte die Liste endlos fortsetzen aber all das ist nicht nur KEINE Nächstenliebe sondern diese Vorstellungen von Nächstenliebe verbauen sogar den Zugang zu ihr.

Zu allen Zeiten ist dies die Predigt der Pharisäer und Scheinheiligen von denen Jesus in Mt. 23,4 warnt: „Sie binden nämlich schwere und kaum erträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; sie aber wollen sie nicht mit einem Finger anrühren“.
Ja, wer kennt nicht die Prediger in den Kirchen die mit angehobener Stimme und melancholischem Unterton von dieser Art Nächstenliebe säuseln welche von den kalten Kirchenwänden wie ein endloses Echo widerhallt?

Und wer könnte auch etwas dagegen sagen? Es ist ja „gut“ und so kann man meist nur schweigend zustimmen, egal ob man auch einen praktischen Ansatz zu dieser Form von Nächstenliebe findet oder nicht. Aber selbst wenn man diesen findet, ist das Problem ein anderes. Das Problem ist vielmehr, dass diese Art von Propaganda in unseren Herzen und Seelen den oberen Bereich des Denkens über die Nächstenliebe belegt, der dann nicht mehr in Frage gestellt wird und im praktischen Leben der Zugang zur wahren christlichen Nächstenliebe somit, wie innerlich abgehakt, nicht mehr lebbar macht.

Aber Nächstenliebe ist nicht das Gute tun, sondern das Böse NICHT tun!

Das ist ein entscheidender Unterschied der gewissermaßen sogar einen Gegensatz zur etablierten Denkweise von Nächstenliebe ausmacht. Man muss sozusagen erst die Prioritäten wieder richtig setzen um den Schwerpunkt auf die wahre Nächstenliebe wieder legen zu können!

An einem Beispiel sei der Unterschied dargelegt: Wenn ich von jemandem aufgefordert werde, etwas „Gutes“ zu tun und meine Motive nicht prüfe und aus Angst, meinen guten Ruf bei dieser Person zu verlieren oder aus Feigheit oder im Grunde unwillig dieses „Gute“ tue, dann tue ich nichts Gutes, sondern lasse mich von Angst und Feigheit leiten, welche es im Aufschauen zu Gott, zu Jesus Christus, der unser praktischer und alltäglicher Überwinder und Erlöser ist, ganz praktisch in Seinem Namen zu überwinden gilt! Wenn ich dieses „Böse“ dann meide oder fliehe, wie es Swedenborg in seinem herausragenden Büchlein: „Von der Nächstenliebe“ so schön zum Ausdruck bringt, dann tue ich automatisch Gutes!

Was wäre das auch für eine Liebe die aufgrund frommer Vorsätze erzwungen ist? Glaubst du Gott will, dass du dich zum „lieb sein“ zwingst? Gleicht so eine Liebe nicht einem Partner der zu einem anderen sagt: „Wenn du mich lieben würdest, würdest du dieses oder jenes tun…?“ Verliert nicht damit die Liebe schon ihre Grundlage, weil sie nicht mehr frei ist? Wenn das schon vor einem Partner so ist, um wie viel mehr vor Gott? Vor IHM zählt nur die Liebe die aus einem freien Herzen kommt und keine Art von erzwungener oder geheuchelter Liebe!
Wie fühlst du dich, wenn dir jemand nur aus Zwang heraus Gutes tut? Und wie erst soll Gott sich dabei fühlen?
Die Motive zu prüfen, die einem in jedem Moment anleiten und dagegen anzukämpfen mit Gottes Hilfe, ist sicherlich nicht der leichtere Weg, aber der schönste Ausdruck der Worte: „Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst!“

Wie gesagt: Ein Mensch, der das „Böse“ gemieden hat, tut damit schon automatisch Gutes in der jeweiligen Situation weil er sein Herz jetzt gereinigt hat und jetzt gar nicht mehr anders kann als in der jeweiligen Situation im Guten zu sein. Oft zeigt es sich dann auch sofort, dass man jetzt für jemand anders da sein konnte, weil man diese Ressource nicht scheinheiligen Diensten geopfert hat. Wir haben unsere Ressourcen jeweils nur ein Mal und es ist entscheidend, wie wir sie einsetzen.

Oft ist es aber auch einfach so, dass wir so gestärkt aus der Situation hervorgehen, weil wir das Böse mit Gottes Hilfe gemieden haben und daraus Gutes erwächst, was wir zunächst gar nicht sehen. Das ist das wahre Gute von dem Jesus spricht und von dem die linke Hand nicht wissen soll was die rechte tut. Mt. 6,3: „Wenn du aber Almosen gibst (also Gutes tun willst), so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut“. Gott sieht es im Verborgenen, weil er auf dein Herz sieht!

Jesus Christus will für uns Christen ein praktischer Erlöser sein, der im Alltag gegenwärtig ist. Und mit nichts kann uns Jesus näher sein als wenn wir reflektiert vor IHM stehen und in jedem Moment böse Motive und Geister in uns meiden. Eingeübt reicht dann ein kurzes, flehendes Aufschauen zu IHM und das Wunder wird erlebbar. Auf diese Weise haben wir den ganzen Tag mehr als genug zu tun Nächstenliebe zu üben. Ersatzhandlungen und Scheinheiligkeiten und jede Form von Werkgerechtigkeit fallen somit von uns ab, wie verdorrte Blätter von einem gesunden Baum. Wir haben einfach keine Ressourcen mehr dafür, wenn wir das erst mal erkannt haben und aufgrund des ständigen Prüfens der Motive geht Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis wieder einher. Wir werden wieder sensibel für uns selber und weise und erkennen die uralte christliche Weisheit, dass ohne IHN nichts Gutes in uns ist und sein kann! Wie kann ein schlechter Baum gute Früchte bringen? Muss nicht erst das Schlechte entfernt werden, damit der Baum heil wird und gute Früchte bringen kann?

Wenn wir das „Fliehen des Bösen“ mit Gottes Hilfe nicht einüben, sind wir unbewusst im Bösen und wollen daraus Gutes tun. Wie soll das möglich sein? Wie kann aus einem bösen Herzen Gutes kommen? Und „Böse“ ist nicht erst der, der böses denkt oder sich wahrnehmbar vom Bösen leiten lässt, sondern noch viel mehr der, der glaubt im Guten zu sein, weil er davon ausgeht, dass er im Grunde gut ist. Warum kann ich das so pauschal sagen? Ganz einfach: Weil KEIN Christ, der bewusst vor Jesus lebt glaubt, er sei selber gut! Er weiß aus seinem tiefsten Herzen und mit jedem einzelnen Akt des „Bösen fliehens“, dass das EINZIG Gute in ihm ER ist!

Als Jesus ganz direkt gefragt wird, was den Nächstenliebe sei, bringt er dies in einem Gleichnis zum Ausdruck welches auch erst unter diesem Hintergrund in seiner Tiefe verstanden wird. Und so lautet das Gleichnis:

Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.
Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!“ Lk. 10,30-37

Der Priester und der Levit sind in dem Gleichnis keineswegs zufällig gewählt. Sie gingen beide an dem Notleidenden vorüber, warum? Sie hatten beide keine Zeit, weil sie ganz klar damit beschäftigt waren „Gutes“ zu tun!

Sie stehen exemplarisch für Menschen deren Hauptaugenmerk ist: Wie kann ich in dieser Welt Gutes tun? Und dieses Anliegen wurde immer mehr zum Programm – bis zur völligen Überfrachtung und Verblendung!

Warum ist das so?

Wir haben keine „Rezeptoren“ in uns, die uns erkennen lassen was „gut“ ist, sondern einzig und allein „Rezeptoren“ darüber, zu erkennen was es eben NICHT ist! Was uns z.B. jetzt ganz praktisch aus der Mitte bringt, wo wir wieder über unsere Grenzen gehen – gegen unser Intuition handeln und vor allem – unsere Motive nicht wirklich gut sind!

Haben wir dies erkannt, so haben wir die eigentliche Aufgabe in den kleinen Dingen des Alltags erkannt. Noch so viel vermeintliches „Gutes“ tun kann dies nicht ersetzen. Oft ist es vielmehr eine Ausflucht, um das Negative nicht meiden zu müssen bzw. eine Strategie, um es nicht mehr wahrzunehmen. Innerlich im Unfrieden sein aber „Gutes“ tun – eine beliebte Strategie des Ego.

Bei vielen wird es daher zum Programm. Wie bei dem Priester und dem Leviten. Wer aber so ständig versucht „Gutes“ zu tun (sämtliche „spirituelle“ und „hochgeistige“ Praktiken eingeschlossen…), anstatt das subjektiv erkannte Negative im eigenen Herzen (wohl gemerkt, im eigenen Herzen und nicht bei jemand anderem) zu meiden, ist schlicht und einfach nur eins: scheinheilig geworden!

Er ist nur die ganze Zeit den einfacheren, den bequemeren Weg gegangen. Hat vor lauter Kompromisse die Orientierung verloren oder ist lebensunfähig geworden. Und weil diejenigen, die das seit vielen Jahren tun, der Meinung sind besonders „gut“ zu sein und die Tatsache oft gar nicht mehr ertragen wollen und können, dass es vielleicht anders sein könnte, werden diese oft besonders überheblich! Sie bewerten schließlich auch ihre Lebensunfähigkeit als Beweis dafür so anders zu sein, so anders wie eben – alle!

Eine „Tugend“ aus derNot oder eher aus der Scheinheiligkeit ist geboren: Der Größenwahn und die unzähligen esoterischen Märchen die diesen untermauern.

Aber die wahre, hingebungsvolle und demütige Liebe zu Gott fragt, was willst du? An Gott angebunden sein und in SEINER Kraft stehen, die keine Anerkennung braucht, weil das Leben durch dich fließt und du selber im Fluss bist und es keinen Mangel an Energie bei dir gibt? – Oder ziehst du dem ein Leben im Chaos und der Kraft – und Orientierungslosigkeit vor, in dem du dich immer wieder selber zu Gott machst. Dich hin und wieder tatsächlich wie ein Gott fühlst und dann wieder wie der letzte Abschaum der Menschheit.

Immer in diesem Wechsel. Immer in dieser Unruhe. Immer in diesem Unfrieden!

Ist es das wirklich, was du willst?

Sind es dir diese wenigen Momente wirklich wert? In denen du dich als etwas Besseres fühlst als all die anderen?

Wann merkst du die Zerstörung, die davon ausgeht? Als Einzelner, als Familie, als Staat oder als sogenannte westliche „Wertegemeinschaft“?

Demut kommt von: Mut zu dienen. Also nicht die Opferhaltung, das Buckeln vor Gott ist damit gemeint, wie es heute leider oft missverstanden wird – nein, das Gegenteil:

Mut zu dienen meint:

Mut zu haben, die eigenen Motive zu prüfen.

Mut zu haben, sich in Frage stellen zu lassen und in andere hineinzudenken.

Mut zu haben, unbequeme Fragen zu stellen ohne Unterstellung.

Mut zu haben, Motive die aus Angst oder negativen Gedanken geboren sind, nicht umzusetzen.

Mut zu haben, das erkannte Negative zu meiden anstatt das vermeintlich Gute zu tun, nur weil es einfacher und populärer ist und nach Außen hin besser aussieht!

Ich kann nur immer mein eigenes Herz prüfen! Ich kann immer nur in mir selber erkennen, was richtig oder falsch ist und nicht, weil andere es sagen oder zu wissen meinen…

Nur wer diese Art „Gutes“ tun übt, nur wer diese Art von Nächstenliebe umsetzt, lebt real als Christ in Jesus Christus und betreibt nicht nur Etikettenschwindel mit IHM. Er nimmt nicht nur einige Worte in der Bibel ernst, sondern die ganze Bibel. Er sagt nicht nur punktuell zu Jesus Ja, sondern übergibt IHM das ganze Leben! Denn:

„Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden!“ sagt Jesus in Matth. 10,39

Es geht um eine verborgene Liebe und eine verborgene Wahrheit in Liebe zu Gott. Nicht um sie anderen zu sagen oder um die Ohren zu hauen! Sondern um im eigenen Leben den „roten Faden“ wieder zu finden. Ihn zu ergreifen und die Herausforderung mit Jesu Hilfe im alltäglichen Leben wieder anzugehen!

Wenn wir uns dann für den Tierschutz, für Menschenrechte und Frieden einsetzen, dann nicht mehr um damit Gutes zu tun, sondern weil es nebenher geht, weil es keine Kraft kostet.

Das bezeichnen wir dann auch nicht mehr mit „Gutes“ tun!

Sondern allenfalls mit Moral und Menschlichkeit, weil Herz und Verstand wieder zusammenarbeiten.

Nur wer das in seinem Herzen erkannte Negative meidet, wird allmählich ein besserer Mensch. Ein Mensch der Menschlichkeit, der sich weiter entwickelt zur Liebe hin, zur Wahrheit hin!

Daher ist es so wichtig das zu verstehen! Lass den ganzen frommen Krampf! Lass alles vermeintlich „Gute“! Weder Gott noch Mensch will das, fordert das, braucht das! Liebe hat oft sehr wenig mit „lieb sein“ zu tun. Du stehst damit Gott, dem Leben, der Liebe, allenfalls im Weg, sonst nichts!

Wenn du das verstehst, kann sich auch ein unglaublicher Krampf in dir lösen. Eine unglaubliche Anstrengung kann von dir abfallen und entscheidend wichtige Ressourcen frei werden um dein Hauptaugenmerk darauf zu richten, das Negative wirklich zu meiden!

Du brauchst dann auch nicht mehr zu warten, bis endlich irgendjemand „etwas tut“! Oder wieder irgendjemand als „Führer“ oder Guru aufsteht um die Massen in die Irre zu führen. Du brauchst nicht zu warten und du kannst nicht warten! Weil das Negative meiden im HIER und JETZT stattfindet – nirgendwo sonst und fortwährend herausfordernd und erfüllend zugleich ist.

Wer dies verinnerlicht, wird nicht mehr an der Not von Menschen vorbei gehen. Aber noch weniger wird er dafür Lohn erwarten oder Anerkennung. Er weiß, dass jeder guten Tat ihr Lohn schon innewohnt und dass es einen anderen Lohn weder in dieser noch in der anderen Welt je geben wird.

Wer das Negative meidet, ist angewidert von jeder Art der Selbstbeweihräucherung und dem Gelabere, etwas Besonderes oder Besseres zu sein.

Alles Böse, auch alle Prägungen aus unserer Kindheit oder selbst unserer Ahnen, zeigt sich im „Fliehen des Bösen“ und wird ebenfalls so in unserem Alltag gelöst.

Alle „Themen“ in unserem Leben tauchen nämlich über das „Böse fliehen“ vor Gott in unserem Alltag auf und werden so zu „Gottes Zeit“ gelöst. Ganz praktisch und nicht in irgendeiner Theorie einer Bibelstunde. Es braucht also für einen Christen keine Seminare oder andere Erlösungsversuche, weil sich hier das ganze Leben sichtbar abbildet und das einfachste Seminar der Welt, die Liebe zu Gott selbst ist, seit aller Zeit und für alle Zeit! Selbst ein Analphabet im hintersten Winkel der Erde versteht die Sprache des Herzens und Gewissens. Ja, vielleicht vernimmt er sie noch besser und inniger als alle verblendeten und verbildeten Christen der ganzen Welt. Ganz einfach: Das Böse aus LIEBE ZU GOTT zu meiden und zu fliehen!

Und dennoch ist es schwierig. Nehmen wir Herausforderungen wie Süchte oder eingefahrene Verhaltensweisen die sich nicht so einfach lösen lassen. Wo wir einmal siegen aber 10 mal fallen. Da wo das Aufschauen zu Gott nicht immer zu funktionieren scheint bzw. die Erlösung auf sich warten lässt, wie wir den Eindruck haben können.

Damit komme ich zu dem zweiten wichtigen Punkt. Dass das urchristliche Wissen über die Erlösung und wie sie stattfindet, verloren gegangen ist. Ein eindrückliches Beispiel liefert darüber die urchristliche Schrift: Der Paidagogos (Pädagoge) von Clemens Alexadrinus aus dem Jahre 200 n. Chr. Der Pädagoge ist in dieser tiefsinnigen Schrift niemand anderes als Jesus Christus in der lebendigen Beziehung eines wahren Christen.

Wenn wir das Böse fliehen, ihm aufschauen zu Jesus und in seiner Kraft, kann es dennoch sein, dass es wieder kommt. Das heißt nicht, dass Jesus uns nicht davon erlösen will, sondern dass es noch unser „ganzes Herz“ dafür braucht selber davon frei kommen zu wollen!

Dann ist es an der Zeit darüber Buße zu tun. Ein Wort das wir ebenfalls heute kaum noch verstehen. Im urchristlichen Sinn meint das, dass wir uns dieses spezielle Böse vornehmen und unter bitten und flehen vor Gott um Erlösung davon bitten. Den Gott erlöst uns nicht aus unseren Gedanken heraus, sondern nur aus unserem ganzem Wesen heraus. Durchdringt unser Anliegen schon alle Fasern unseres Wesens und Herzens? Meinen wir es wirklich ernst? Können wir etwas ernst meinen was wir von uns aus gar nicht schaffen können? Womit wir uns völlig überfordern und überfordert fühlen?

Das ist die Versuchung. Denn was vor Menschen unmöglich ist, ist vor Gott möglich! Und hier setzt der Glaube ein, von dem Paulus so viel spricht und dass er eine Verheißung ist, eine Zusage, die uns gegeben ist, wenn wir alles in unserer Macht stehende daransetzen und Gott somit das SEINE, nämlich das Gelingen und die Erlösung, hinzugeben wird.

Daraufhin werden wir Erlösung erfahren. Und zwar, um so tiefer unser Anliegen vor Gott in unser Herz und Wesen gedrungen ist. Wir werden dann durch Gottes Gnade ganz praktisch erfahren und erleben, wie es sich anfühlt ohne diese Sucht oder negative Eigenschaft zu sein und wie unglaublich friedlich und befreiend sich das anfühlt!

Aber weil wir alle nur Menschen sind und sehr schnell glauben, es sei jetzt alles getan und zudem überheblich werden, merken wir vielleicht gar nicht, dass wir im laufe der Zeit von der selben Sache wieder heimgesucht werden. Wie kann das sein? Warum ist die Erlösung nicht vollständig oder hält nicht auf Dauer? Drückt Gott aus Gnade ein Auge zu, wenn ich in gewisser Weise weiter sündige… ist es vielleicht auch gar keine Sünde … bin ich zu verbissen, zu hart zu mir selber?

Das ist die zweite Phase der Versuchung. Wieder zeigt sich nur eins: Dass ich trotz des schon erlösten Zustandes diesmal von der bloßen Lust, die jedem Bösen innewohnt, eingeholt werden konnte. Auch diese muss vor Gott ausgelöscht und zum Opfer gebracht werden. Wieder braucht es Buße und ein flehen und bitten vor Gott. Ehe dies nicht erfolgt, kommt auch das nicht aus der Tiefe des Herzens und der Seele. Und oft muss gebeten werden überhaupt bitten zu können!

Wenn das aber erfolgt ist, führt die Erlösung des wahren „Pädagogen“ über viel Weisheit und Erkenntnis im Leben und Erleben, welches auch dies auflöst und erlöst.

Ansonsten gilt es die Schritte so lange zu wiederholen, bis SEIN Friede im Herzen herrscht. Und diesen Weg zu gehen ist, wie Johannes in 1.Joh.5,3 schreibt, nicht schwer. Denn es ist nicht schwer zu wollen und immer wieder zu wollen – das vollbringen aber schenkt alleine ER, der wahre und einzige Erlöser dieser Welt!

„Daher musste der Sohn in allem seinen Brüdern gleich werden, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes. Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden“. Hebr. 2,17-18

Und wie in der großen und bedeutsamen urchristlichen Schrift: „Der Hirt des Hermas“ (entstanden um 150 n. Chr.) geschrieben steht:

„Ich sprach zu ihm: ‘Herr, groß, gut und herrlich sind diese Gebote und können das Herz des Menschen erfreuen, der sie zu halten vermag. Ich weiß aber nicht, ob diese Gebote von einem Menschen befolgt werden können, denn sie sind sehr hart.’ Er antwortete mir: ‘Wenn du dir vornimmst, dass sie befolgt werden können, so wirst du sie leicht befolgen, und sie werden nicht hart sein. Wenn aber in deinem Herzen der Gedanke Platz greift, dass sie von keinem Menschen befolgt werden können, wirst du sie auch nicht befolgen. Für diesen Fall aber sage ich dir: Wenn du sie nicht befolgst, sondern außer acht lässt, werden weder du noch deine Kinder noch deine Familie Rettung erlangen; denn du hast dir ja selbst schon das Urteil gesprochen, dass diese Gebote von keinem Menschen befolgt werden könnten.’“ Kap. 46,5-6


„Denn wie der Schmied, wenn er sein Werkstück ständig hämmert, schließlich fertig wird mit dem, was er sich vorgenommen, so wird auch die Mahnung zum Rechten, wenn sie täglich laut wird, schließlich mit allem Bösen fertig. Werde nur nicht müde, zu ermahnen deine Kinder; denn ich weiß es: wenn sie von ganzem Herzen Buße tun, werden sie in die Bücher des Lebens zu den Heiligen geschrieben werden.“ Kap. 3,2

Wohl dem, der diese Worte beherzigen mag!

lebenslebendig